Langsam entsteht aus einem schlichten Holzstück eine Scheibe mit Charakter.Langsam entsteht aus einem schlichten Holzstück eine Scheibe mit Charakter.

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Als ich das erste Mal vor meiner HDG250 von Maschinenbau Hager aus Emmerting stand, war da dieses leise Kribbeln in den Händen. Nicht nur Vorfreude – sondern Respekt. Vor dem Material. Vor der Maschine und vor der Aufgabe.

In meiner Werkstatt roch es nach frischem Holz. Vor mir eingespannt: ein sorgfältig ausgewählter Rohling – hell, ruhig gewachsen, ohne Fehlstellen. Hochwertiges Holz ist für mich kein Werkstoff. Es ist ein Versprechen.

Und dann schalte ich sie ein.

HDG250

Die HDG250 läuft ruhig an. Kraftvoll, aber kontrolliert. Diese Gussmaschine hat eine Durchzugskraft, die man nicht nur hört – man spürt sie im ganzen Raum. Nichts ruckelt, nichts vibriert. Die exakte Spindelflucht sorgt dafür, dass alles perfekt läuft. Wenn ich den Spindelstock verschiebe oder auf dem Drehbankbett verdrehe, geschieht das mit einer Selbstverständlichkeit, die Vertrauen schafft. Und dank der präzisen Rückpositionierung über den Passstift weiß ich: Wenn ich zurückkehre, stimmt jeder Millimeter.

image Drechseln von Schützenscheiben selbst beigebracht
Drechselbank HDG250 Die Gussmaschine mit perfektem Handling und sehr hoher Durchzugskraft.

Früher hatte ich dieses Wissen nicht.

Das Drechseln von Schützenscheiben habe ich mir selbst beigebracht. Nicht aus Tradition – sondern aus der Not heraus. Es gab niemanden, der es für mich machte. Also begann ich zu experimentieren. Ich habe Fehler gemacht. Habe Rohlinge ruiniert. Habe gezweifelt. Doch mit jedem Span, der sich sauber vom Eisen löste, wuchs mein Gefühl für Form, für Linie, für Proportion.

Heute ist es anders.

Routine kommt mit vielen Scheiben

Ich stelle die Drehzahl ein – ein kurzer Blick auf die digitale Anzeige. Präzise Kontrolle. Ich arbeite mich von außen nach innen. Die 24-Schritt-Teilscheibe läuft spielfrei, jeder Schritt rastet sauber ein. Wenn ich die Zierelemente setze, die typischen Abstufungen einer Schützenscheibe, dann weiß ich: Hier entscheidet sich alles. Hier zeigt sich, ob Hand und Maschine eins werden.

image-1 Drechseln von Schützenscheiben selbst beigebracht
Langsam entsteht aus einem schlichten Holzstück eine Scheibe mit Charakter.

Der Meißel liegt ruhig auf der Auflage. Ein gleichmäßiges Surren erfüllt die Werkstatt. Feine Späne tanzen durch die Luft und sammeln sich zu einem weichen Teppich auf dem Boden. Langsam entsteht aus einem schlichten Holzstück eine Scheibe mit Charakter. Mit Tiefe. Mit Würde.

Ich fahre mit der Hand über die Oberfläche. Glatt. Warm. Lebendig.

Jede Schützenscheibe, die ich drechsle, erzählt ihre eigene Geschichte. Vom Baum, der Jahre gewachsen ist. Vom Moment, in dem ich ihn auswählte. Von der Konzentration an der Maschine. Und von der Leidenschaft, die mich antreibt.

Die HDG250 gibt mir dabei das Fundament. Ihre enorme Durchzugskraft, die exakte Mechanik, die perfekte Rückpositionierung – sie nimmt mir die Unsicherheit. Sie gibt mir Freiheit. Freiheit, mich ganz auf die Form zu konzentrieren. Auf die Ästhetik. Auf das, was eine Schützenscheibe besonders macht.

Was einst aus der Not geboren wurde, ist heute mein Handwerk. Mein Stolz. Meine Handschrift.

Wenn ich am Ende des Tages die Maschine ausschalte und die fertige Scheibe im Licht betrachte, weiß ich: Das ist mehr als Holz. Das ist Tradition, neu interpretiert. Mit Können. Mit Herz. Und mit einer Drechselbank, auf die ich mich jederzeit verlassen kann.

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